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Gelebte Schulchronik - Ehemalige Cecilienschülerinnen am SBBZ

Lebensmittel wegzuwerfen käme Irmgard Nöther, Anita Reinhardt-Kreutzer, Helga Morlo und ihren ehemaligen Klassenkameradinnen nie in den Sinn. Denn als sie 1946 die damalige Cecilienschule besuchten, litten sie alle Hunger, waren froh um jedes Stück Brot und dankbar für die Schulspeisungen, die Lebensmittelspenden aus Irland möglich machten. "Ich war eins von den sogenannten 'D-Kindern', die besonders dünn waren und daher täglich zur Schulspeisung gehen durften", erzählt die heute 77-Jährige Roswitha Schönborn. Zu Hause gab es bestenfalls "Rappsupp" aus Kartoffelschalen. Die Väter - sofern sie den Krieg überlebt hatten - gingen nachts "hamstern", um irgendetwas Essbares für ihre Familien aufzutreiben.

32 ehemalige Schülerinnen der Cecilienschule kamen am Freitag an den früheren Standort ihrer Schule, dem heutigen Sozialpflegerischen Berufsbildungszentrum (SBBZ), Schmollerstraße, um ihre Erinnerungen an diese Zeit auszutauschen. Dazu eingeladen hatte das Kulturamt der Stadt Saarbrücken in Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Rundfunk und dem SBBZ, dessen Hauswirtschafts-Oberstufe für die Ehrengäste ein opulentes Kuchenbüfett und herbstliche Tischdekorationen vorbereitet hatte.

Die Schulleiterin Hildegard Linicus-Rüssel erinnert in ihrer Ansprache an die geschichtlichen Ereignisse und an den Gründer der Cecilienschule, Franz Joseph Niemann, der von einem starken Reformgeist geprägt war: Damals wie heute wird auf ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis geachtet, auf eine gelebte Weltoffenheit, auf Schülerselbständigkeit und Schülerselbsttätigkeit, auf die Entwicklung und Erweiterung der eigenen Kompetenzen.

Anlass für die Zusammenkunft war ein kürzlich in Dublin entdecktes Dankeschön-Buch mit Briefen, Gedichten und Zeichnungen, das Schülerinnen der Cecilienschule 1946 für die "irischen Spender" verfasst hatten. Mit einem großen Artikel hatte die Saarbrücker Zeitung die Verfasserinnen am 2. August aufgerufen, sich beim Kulturamt zu melden. "Mit solch einer großen Resonanz hatten wir nicht gerechnet", freut sich Birgit Kollet, die Leiterin der Abteilung Schulkultur. Die Erinnerungen der ehemaligen Cecilienschülerinnen an die Nachkriegszeit in Saarbrücken sind für sie "ein lebendiges Stück Stadtgeschichte". Sie sollen daher nun auf einer DVD in Wort und Bild dokumentiert und unter anderem dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt werden. Auch der Dubliner Tony O'Herlihy, der das Dankeschön-Buch aus Saarbrücken im Nachlass seiner Frau gefunden hatte, wird die DVD bekommen und vielleicht sogar demnächst im Saarland zu Gast sein.