Sie sind hier: News > 

News

Credo bedeutet "Ich glaube an Gott." – Aber wer ist Gott?

Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule Marpingen besuchen "Credo"-Performance in Saarbrücken

„Credo“, lateinisch für "Ich glaube", stellt den Titel einer außergewöhnlichen Produktion des saarländischen Staatstheaters dar. 

In dieser multimedialen Präsentation werden dramatische Elemente, Interviews, Filmsequenzen und musikalische Interpretationen einer live spielenden Jazz-Band miteinander verknüpft. Im Mittelpunkt steht hierbei die Frage nach Gott, die die Menschheit schon seit Jahrtausenden beschäftigt. Ja vielleicht ist es gerade die erstmalige Frage nach dem Göttlichen, die aus dem affenähnlichen Vorfahren den Menschen machte.  

 

Religionen liefern Antworten auf Fragen, die die Wissenschaft (noch?) nicht beantworten kann. Oft wird hierbei kritisch angemerkt, dass Gott lediglich als Ersatz fungiert, der auf existentielle Fragen auf unterschiedlichen Ebenen Antworten liefern soll, diese aber ohne naturwissenschaftlichen Ansatz begründet werden. Im "Credo"-Projekt in der Alten Feuerwache wird eine Debatte zwischen unterschiedlichen Religionen initiiert, in der berühmte Persönlichkeiten, wie z.B. Malala Yousafzai, Friedensnobelpreisträgerin 2014, und Mahatma Gandhi, der den religiös motivierten, friedlichen Unabhängigkeitskämpfer repräsentiert, zu Wort kommen.

 

Steffen Wilhelm, 18 Jahre und Schüler der Gemeinschaftsschule Marpingen, äußerte sich nach dem Besuch der zweistündigen Vorstellung, die von November bis ins Frühjahr auf dem Spielplan der Alten Feuerwache stand: „Mir gefiel die Vielfalt der Zitate und Meinungen sehr gut, wobei versucht worden ist, die grundsätzlichen Fragen, mit denen sich die Religionen konfrontiert sehen, zu beantworten." Allerdings kommen seiner Meinung nach die Hintergründe der und die Kritik an den jeweiligen Religionen etwas zu kurz.

 

Illustriert und umgesetzt wird die Vorstellung von den Regisseuren Florian Penner und Oliver Strauch sowie ihrem Team  u.a. bestehend aus dem Saarbrücker Schauspieler Robert Prinzler und einer Jazz-Band. Robert Prinzler hinterfragt während der Vorstellung die eingeblendeten und visualisierten Aussagen und Zitate kritisch. Der musikalischen Umrahmung durch unterschiedliche, z.T. stark disharmonische Jazzeinlagen gelingt es, ein Spannungsgefüge zwischen den unterschiedlichen Religionen, Fragen und Antworten zu erzeugen: Wer ist Gott? Gibt es Gott? Brauchen wir Gott? 

 

Die Autoren Penner und Strauch sind Mitglieder der Gruppierung "Die Redner", die in ihren Perfomances regelmäßig die großen Reden der Weltgeschichte visualisieren. An "Credo" arbeiteten die beiden zweieinhalb Jahre lang in Kooperation mit dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien in Saarbrücken. Patrick Gotthard, Mitarbeiter im Fachbereich "Ethik" des LPM und gleichzeitig Lehrer an der Gemeinschaftsschule Marpingen, hatte den direkten Kontakt zum "Credo"-Team vermittelt. Penner und Strauch wollen mit ihrer Religionsperformance in Zeiten der Wiederauferstehung religiöser Weltbilder junge Menschen zuerst einmal herausfordern. Dies sei die Voraussetzung dafür, dass die jungen Erwachsenen sich ihre eigene, differenzierte Position zum Verhältnis von Wissenschaft, Religion und aufgeklärter Gesellschaft bilden können. Denn Religion kann den Einzelnen wie die Gesellschaft bereichern. Sie kann aber auch zerstörerisch wirken; auf den fanatischen, unkritischen Gläubigen ebenso wie in einer Gesellschaft, in der das kritische Hinterfragen religiöser Weltbilder nicht erlaubt ist. "Credo" fordert gerade in diesem Kontext zur eigenen Positionierung auf. Bei den rund 80 teilnehmenden Marpinger Schülern hat "Credo" dieses Ziel erreicht. Noch lange nach der Aufführung waren kritische Stimmen und Anmerkungen zum Thema "Religion" zu vernehmen, die Diskussion hierüber ist bis heute nicht verstummt.