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Kein „Frühlings Erwachen“

Theatergruppe der Gemeinschaftsschule Marpingen muss Aufführung absagen

Sie reagierten mit Verständnis, doch war die Enttäuschung in ihren Gesichtern nicht zu übersehen: Erstmals seit Bestehen der Schultheatergruppe muss eine Aufführung kurz vor der Premiere abgesagt werden – und das nach monatelangen Proben, nach unzähligen Stunden des Lernens und Rezitierens der Texte. 

Die Theater-AG der Gemeinschaftsschule Marpingen besteht seit 2003 und bringt jedes Jahr auf anerkanntem Niveau - was die schauspielerische Leistung wie auch das Bühnenbild, den Ton und den Lichteinsatz angeht - aktuelle und klassische Stücke auf die Bühne der Marpinger Schulaula. Die Darsteller stammen aus allen Stufen von Klasse 9 bis 13. Die Kulissen werden unter Anleitung der Fachlehrer von den Marpinger Schülerinnen und Schülern selbst erstellt und gestaltet. Die Aufführung ist stets das Highlight des Marpinger Schuljahres, wenn sich die Aula mit über 250 Zuschauerinnen und Zuschauern füllt und der nicht enden wollende Schlussapplaus bestätigt, dass die jungen Schauspieltalente wieder etwas ganz Großes geleistet haben.

Aber 2020 ist alles anders. Die Bühne steht schon, die Proben sind weitgehend abgeschlossen, die Kostüme ausgesucht, Ton und Licht werden gerade geprobt. Erst sind es Veranstaltungen über 1000 Besucher, dann alle, die abgesagt werden müssen, dann schließt die Schule für viele Wochen: Auch die Aufführungen der Neubearbeitung des Wedekind Stückes „Frühlings Erwachen“ von Nuran David Calis, vorgesehen für den ersten und dritten April, werden gestrichen. Der rasante Ablauf der Szenen wird ungesehen bleiben. Das Tempo der von Wut und Verzweiflung angetriebenen Dialoge, die aggressiven Rhythmen von Hiphop und Rap, welche die Lebenssituation von Jugendlichen inszenieren, die sich von den Erwachsenen unverstanden und durch ihr eigenes Denken und Erleben verunsichert fühlen – all dies bleibt ungehört, die Bühne stumm.

Enttäuschung aller Orten – und auch Redebedarf. Wie halte ich es - nicht nur als junger Mensch - mit den Beschränkungen, die zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie führen sollen? Plötzlich sind die Themen Freiheit und Verantwortung nicht (nur) mehr im Stück, sondern im realen Leben aktuell – und fordert uns alle heraus. 

Doch auch ohne Aufführung soll und muss die Leistung der jungen Akteure gewürdigt werden. In der aktuellen Saison sind dies auf der Bühne Celine Senzig (13b), Eileen Fuhrmann und Anastasia Shprunk (beide 12a), Yosha Sohn (12c), Bastian Zenner, Leon Jaster, Jonas Norden, Justus Gerber (alle 11b), Franziska Fleisch (11c) und Poebe Schertz (9c). Vor und hinter der Bühne agieren Robin Rauber (12b), Elias Bonk (11c) und als Souffleuse Chantale Schäfer (11b). Regie führen die Leiter der Theater-AG Klemens Bott und Martina Pape, Lehrer an der Gemeinschaftsschule Marpingen.