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Schüleraustausch

Deutsch-französischer Schüleraustausch auf den Spuren der französischen Republik in Paris

Einmal auf dem Platz von Victor Hugo

Deutsch-französischer Schüleraustausch auf den Spuren der französischen Republik in Paris

 

Einmal den Platz von François Mitterand, Victor Hugo oder Raymond Poincaré einnehmen. Für 21 Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule Marpingen war genau dies auf ihrer gemeinsamen Studienfahrt mit ihren Partnerschülern des Lycée Schuré de Barr zu den politischen Institutionen Frankreichs nach Paris möglich. Sie hatten die Gelegenheit, im Sénat, der zweiten Parlamentskammer in Frankreich, zumindest vorübergehend den Platz ehemaliger Staatspräsidenten, Philosophen und Schriftsteller unseres Nachbarlandes einzunehmen.

Die sechstägige deutsch-französische Studienfahrt nach Paris Anfang April  wurde eingeleitet von zwei Kennenlerntagen im Saarland und ist Teil des nachhaltig angelegten Projektes, saarländische und elsässische Schüler miteinander und das jeweilige politische System und die politischen Debatten im Nachbarland bekannt zu machen. Seit 2016 erhalten 50-60 Jugendliche jeder Klassenstufe 12 bzw. der première beider Schulen diese Gelegenheit. Ihre Mitschüler waren bereits in Straßburg und Brüssel (Europäische Union, 2018), in Saarbrücken und Berlin (politisches System Deutschlands, 2017) und sie nun gemeinsam in Saarbrücken und Paris.

Muriel Nickels und Markus Mörsdorf haben dieses Projekt 2016 initiiert und werden unterstützt von Alexandre Bourgeois und Kristina Barnewold. Alle vier wollen nicht nur politische Kenntnisse vor Ort vermitteln, sondern auch interkulturelle Erfahrungen ermöglichen und das gerade für das Saarland und die Region GrandEst wichtige Verständnis des Nachbarn fördern. Und da geht es bei weitem nicht nur um die Sprache. Alle Führungen, Vorträge, Debatten werden bilingual geführt, es bleibt Platz für persönlichen Austausch, so z.B. in Paris während des Bowling-Abends und des Euro-Défi-Spiels in gemischten Gruppen. Dass es dabei nicht immer glatt abläuft, wissen die 50 Teilnehmer nach Paris nun auch aus persönlicher Erfahrung und können damit die Herausforderungen im deutsch-französischen Verhältnis sowie innerhalb der Europäischen Union viel besser einschätzen. Die Selbstreflexion komme nicht zu kurz, Mentalitäten und kulturelle Eigenheiten würden zeitnah besprochen, wann immer Probleme oder Fragen auftauchten, erklären die beiden Initiatoren aus dem Saarland und dem Elsass.

Bei der Abfahrt standen den 22 Marpinger Teilnehmern sowie den 23 Schülern aus Barr somit nicht nur ein umfassendes Programm, sondern auch ein großer Sprung hinsichtlich ihres Selbstverständnisses bevor. Immer mit von der Partie war Maskottchen Anton/Antoine. Neben der Besichtigung des Schlosses von Versailles und des Musée d’Orsay mit seinen impressionistischen Meisterwerken, einer Street-Art-Führung im Quartier Belleville, dem Musée du Parfum und der großen Mosquée de Paris mit ihrem Tee-Haus waren die drei großen Highlights politischer Natur:

Auf Einladung des Abgeordneten Antoine Herth (Partei „république-en-marche“) aus dem elsässischen Séléstat konnte nicht nur die Französische Nationalversammlung, die Assemblée Nationale, in ihren historischen Gebäuden des Palais Boubon besichtigt, sondern auch an einer Parlamentsdebatte teilgenommen werden. Zumindest in Grundzügen verfolgten viele diese hitzige Diskussion um die Reform des politischen System Frankreichs, was später in persönlichen Gesprächen mit den Lehrern vertieft und reflektiert wurde. Die zweite Parlamentskammer Frankreichs, der Sénat, bildet aktuell gerade einen großen Streitpunkt bei dieser Reform, wirft man ihm bzw. den Senatoren doch eine gewisse Weltenthobenheit vor. Zumindest was die historischen Räume im Palais du Luxembourg anging, konnten auch die Saarländer dieser Kritik folgen: In einer aus deutscher Sicht unvorstellbarer Pracht und historischen Aufgeladenheit debattieren hier die Vertreter der französischen Territorien über die Gesetzesvorschläge der Regierung. Senator Guy Dominique Kennel, ehemaliger Vorsitzender des Départementalrates von Haut-Rhin/Straßburg, ließ es sich nicht nehmen, die deutsch-französische Gruppe persönlich durch die Räumlichkeiten und in den Sitzungssaal zu führen, in dem bereits zahlreiche spätere Präsidenten, Schriftsteller, Philosophen und Wissenschaftler Frankreichs als Senatoren tätig waren. Nach diesen überwältigenden Eindrücken folgte nach langer Metrofahrt und einem der unzähligen Fußmärsche eine Mittagspause im Büro des Saarlandes in Paris. Dietmar Schmidt, der die Marpinger und Barrer bereits im vorangehenden Jahr in der Brüsseler Dépendance des Saarlandes empfangen hatte, erläuterte in kurzen Worten die Frankreichstrategie des Saarlandes, teilte für die interessierten angehenden Studenten beider Länder Informationen zur Deutsch-Französischen-Hochschule aus und lud dann zu einem „petit en-cas“, einem Imbiss ein.

Wehmut zeigte sich bei vielen und auch beim beim Maskottchen Antoine/Anton, als nach sechs aufregenden Tagen voller Eindrücke die Rückfahrt anstand. Viele hatten sich auf die französische Sprache eingestellt, waren vertraut mit dem typisch französischen Frühstück geworden, fanden problemlos den Weg durch das Metrodickicht und die Menschenmassen. Bei vielen wurde die Begeisterung für die Politik und Kultur unseres Nachbarlandes neu geweckt bzw. vertieft. Einige können es sich nun auch gut vorstellen, in  Frankreich zu studieren bzw. einen bilingualen Studiengang der DFH einzuschlagen. Und vielleicht werden sie dann auch in den historisch wie kulturell herausragenden Studentenwohnheimen des Cité Universitaire de Paris wohnen und arbeiten, die sie im Rahmen der Studienfahrt kennenlernten. Die durchweg positiven Rückmeldungen von beiden Seiten machen jedenfalls Mut, dieses aufwendige Projekt der Gemeinschaftsschule Marpingen und des Lycée Schuré de Barr auch für kommende Jahrgänge weiterzuführen.

Zum Hintergrund:

Das Projekt „SarreAlsace“ des Lycée Schuré de Barr/Alsace und der Gemeinschaftsschule Marpingen/Saar wurde 2016 initiiert und hat bis heute fast 200 saarländischen und elsässischen Schülerinnen und Schülern im Alter von 16-19  Jahren die Möglichkeit eröffnet, sich über die französische, europäische und deutsche Politik in den jeweiligen Hauptstädten zu informieren und sich gegenseitig kennenzulernen. Der Stellenwert des Projektes wird deutlich in die Vielzahl der Unterstützer und Sponsoren, die die hohen Kosten für die Teilnehmer ganz erheblich verringern helfen: Für Paris waren dies die ASKO-Europa-Stiftung, die VSE-Stiftung zur Förderung des Saar-Lor-Lux-Austausches, die Stiftung der Handwerkskammer des Saarlandes, welche sich auch insbesondere für die Frankreichstrategie und den grenzüberschreitenden Jugendaustausch einsetzt, die Sparkassenstiftung, die gerade Schüler aus dem Kreis St. Wendel fördert, Saartoto, Unsere Volksbank im Kreis St. Wendel und nicht zuletzt der Schulförderverein der Gemeinschaftsschule Marpingen. Den „en-cas“ im Saarlandbüro Paris ermöglichte das Ministerium für Europa des Saarlandes.