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Schulfest - 30 Jahre Gemeinschaftsschule Marpingen

Eine gelebte Gemeinschaft

Festakt und Schulfest zum 30-jährigen Jubiläum der Gemeinschaftsschule Marpingen

 

„Wir ziehen in den Frieden, wir sind mehr als du glaubst…“ – mit diesem Song von Udo Lindenberg beschenkten sich Schüler und Lehrer zum 30. Geburtstag ihrer Schule selbst und verbanden damit gleichzeitig ihren Auftrag für die kommenden 30 Jahre, keine neuen Mauern zu bauen, sondern sich für Offenheit und Gleichberechtigung einzusetzen - so wie es seit nunmehr 30 Jahren an der ehemals Gesamtschule, nunmehr Gemeinschaftsschule Marpingen der Fall ist. Am 14. September fand der Festakt zum 30-jährigen Bestehen der Schule statt.

16. August 1989, 8.00 Uhr.  Nach nicht unerheblichen Streitigkeiten zwischen den politischen Verantwortlichen beginnt fĂĽr 120 FĂĽnftklässler der Unterricht an der Gesamtschule Marpingen, deren neues Unterrichtskonzept – Tischgruppen fĂĽr SchĂĽlerinnen und SchĂĽler, freie Unterrichtgestaltung, Teamarbeit im Kollegium – auf groĂźe Vorbehalte stieĂź. Aber der Erfolg gab dieser neuen Schulform in Marpingen Recht: Sechs Jahre später traten die ersten SchĂĽlerinne und SchĂĽler in die gymnasiale Oberstufe ein, drei Jahre darauf wurden erstmals Zeugnisse der Allgemeinen Hochschulreife der Gesamtschule Marpingen ausgeteilt. Erheblich zu diesem Erfolg beigetragen hatte das langjährige Schulleitungs-Dreigestirn aus Edmund Hinsberger, Reimund Schmidt und Robert GroĂź. Doch es ging und geht in der neuen, nunmehr ihre Jugendzeit hinter sich lassenden Schule nicht nur ums Abitur. Der Hauptschulabschluss mit seinem Schwerpunkt in praktischen Tätigkeiten und  die Mittlere Reife, heute vor allem als Schritt hin zu den Fachschulen, galten und gelten als gleichberechtigt, was sich auch im Stundenplan zeigt. Arbeitslehrer, Talentfächer mit der Möglichkeit, die eigenen Stärken zu entdecken und auszubauen. Sie sind Beispiele dafĂĽr, dass nicht nur Ăśberflieger, sondern alle Kinder und Jugendlichen in dieser Schule seit 30 Jahren ein Zuhause finden. Schon immer mit dabei war die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigung, die seit einigen Jahren als Inklusion weitergefĂĽhrt und ausgebaut wird. So wollte die Geburtstagsband aus Lehrern und SchĂĽlern auch ihr Ständchen verstanden wissen – Vielfalt ohne Ausschluss, fördern und fordern – wahrlich hehre Ziele, die, so Schulleiterin Petra Brenner-Wolff in ihrer Festrede, nicht immer leicht umzusetzen sind. Die gesellschaftliche Entwicklung mache natĂĽrlich auch vor der Schule nicht halt und so sei heute diese generell, und im Besonderen die Gemeinschaftsschule Marpingen mit ihrer integrativen Tradition, immer stärker gefragt, wenn es um Chancengleichheit und ein friedliches Miteinander gehe. An den anwesenden Landrat Udo Recktenwald und den Vertreter des Kultusministeriums, Dieter Berg, richtete sie denn auch zwei WĂĽnsche: eine Kletterwand zum Austoben und Ausloten der eigenen Grenzen wie auch kleinere Klassen fĂĽr alle Gemeinschaftsschulen. Auf die Kletterwand eingehend verwies der Landrat in seinen GlĂĽckwĂĽnschen auf die Rolle der Marpinger Schule fĂĽr Marpingen, sei sie doch im mehrfachen Wortsinne Zentrum des Gemeindelebens: Schule, Veranstaltungsort, Weiterbildungseinrichtung, die von der VHS in vielfältiger Weise genutzt werde, und das mitten im Ortszentrum. Dies bringe natĂĽrlich bei 9000 SchĂĽlern räumliche Probleme. Diese wolle er zusammen mit dem BĂĽrgermeister angehen, auch wenn er selbst die Vorschläge Volker Webers als recht „sportlich“ bezeichnete. Sein Geburtstagsgeschenk, eine Apfelbaum der alten Sorte Mosel-Eisen-Apfel, sei als Symbol fĂĽr seine WĂĽnsche an das Geburtstagskind zu verstehen: Wer einen Baum pflanzt, tut dies mit einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft.

Der Marpinger Bürgermeister Volker Weber wurde in seiner Ansprache sehr persönlich: Er selbst sei Schüler der Gesamtschule Marpingen gewesen und habe von dem neuen pädagogischen Konzept der Gesamtschule erheblich profitiert. Und diese persönlichen Erfahrungen seien für ihn Begründung und Verpflichtung zugleich, sich weiterhin mit allen Mitteln für seine Schule vor Ort einzusetzen. Dieter Berg verwies darauf, dass die Gesamt- und nunmehr Gemeinschaftsschule Marpingen als Schule gelte, in der das Wort Gemeinschaft keine Phrase sei, sondern gelebt werde. Die Lebendigkeit und Bereitschaft, offen auf neue Entwicklungen einzugehen, machen diese Schule aus, die zu den vier größten Gemeinschaftsschulen des Saarlandes zähle.

Das Rahmenprogramm mit hervorragenden Musikdarbietungen der Schülerinnen und Schüler, akrobatischen Tanzeinlagen und den beiden Geburtstagsständchen des Schüler-Eltern-Lehrer-Chors belegten eindrücklich diese Lebendigkeit und gingen vielen der 250 anwesenden geladenen Gäste unter die Haut. Stellvertretend bedankte sich der Schulelternvertreter Martin Dammerow für dieses Engagement der Schule, das allen Kindern zugutekomme. Im anschließenden großen Schulfest feierten sich dann die 900 Schülerinnen und Schüler, die Eltern, Lehrerinnen und Lehrer selbst. Auch viele Ehemalige, Schülerinnen, Schüler wie auch Lehrer aus 30 Jahren Schulgeschichte, fanden den Weg zu ihrer alten Wirkungsstätte. Das sympathische, liebevoll organisierte und lebensfrohe Schulfest zeigte eindrücklich, was die Gemeinschaftsschule Marpingen ausmacht: Gegenseitiger Respekt, Ansporn und Toleranz - und bei allem fachlichen Einsatz die Lebensfreude nicht vergessen.

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Zum Hintergrund:

Die Gemeinschaftsschule Marpingen zählt mit rund 1000 SchĂĽlerinnen und SchĂĽlern im Alter von 10 bis 19 Jahren und den ĂĽber 80 Lehrkräften zu den vier groĂźen Gemeinschaftsschulen im Saarland und den wenigen, die alle AbschĂĽsse, FörderschulabschlĂĽsse, den HSA, den MBA und die Allgemeine Hochschulreife am Standort anbieten. Sie ist Ausbildungsschule fĂĽr Referendare der Sekundarstufe 1 und Schule fĂĽr den eigenverantwortlichen Unterricht angehender Lehrerinnen und Lehrer fĂĽr das Lehramt Gymnasien und Gemeinschaftsschulen. Ein besonderes Merkmal der Schule ist die engagierte Einbindung der Elternschaft in die Schulgemeinschaft. Der Schulförderverein, von der Elternschaft getragen, unterstĂĽtzt in erheblichem MaĂźe u.a. Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. So sorgt er mit dafĂĽr, dass das Motto „Schule fĂĽr alle“ umgesetzt wird. Ein Trainingsraum zur Betreuung von SchĂĽlerinnen und  SchĂĽlern mit Verhaltensschwierigkeiten, ein Lernstudio zur individuellen Förderung besonderer Talente, Klassenratsstunden u.a. zur Regelung von Problemen gehören zum zentralen Konzept der Marpinger Gemeinschaftsschule. Nicht nur die Elternvertretung hat sich in den 30 Jahren ihres Bestehens um die Schule verdient gemacht, auch die SchĂĽlerverwaltung SV bringt sich seit Jahrzehnten mit vielfältigen Projekten in die Schule ein. Mit Florian Weimann wurde sogar bereits ein LandesschĂĽlervertreter gestellt.  Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang auch der Schulsanitätsdienst, in dem SchĂĽler SchĂĽlern hilfreich zur Seite stehen, wenn es um kleinen Blessuren oder Unwohlsein geht. Bereits mehrmals schafften es die Marpinger Schulhandballerinnen zum Bundesentscheid Jugend trainiert fĂĽr Olympia in Berlin, einmal war man auch im Tischtennis, einmal auch im Tennis unten den 16 besten Schulmannschaften in der Bundeshauptstadt vertreten. Seit ĂĽber 15 Jahren tritt die Gemeinschaftsschule Marpingen auch beim Wettbewerb Jugend debattiert an und konnte im letzten Jahr mit Justus Gerber erstmals einen Saarlandsieger stellen, der das Land dann in Berlin vertrat. Die Theater-AG unter Klemens Bott und Martina Pape präsentiert seit ĂĽber einem Jahrzehnt jedes Jahr hochkarätige und professionell gespielte TheaterstĂĽcke, das Transalp-Projekt von Thomas Alt bringt in jedem FrĂĽhsommer ĂĽber 20 angehende Abiturienten dazu, ĂĽber sich hinauszuwachsen und die Alpen mit dem Fahrrad zu ĂĽberqueren. Im laufenden Schuljahr werden die SchĂĽlerinnen und SchĂĽler der Stufe 9 erstmals die Möglichkeit haben, es den Radfahrern per pedes ĂĽber die Alpen gleich zu tun. Lions Quest, Lerntechnikstunden, individuelles Lernen und zusätzliche Deutsch- und Matheunterricht machen die 5.- und 6.-Klässler fit fĂĽr die Mittelstufe. Ein Betriebspraktikum und vielfältige Berufsvorbereitungen folgen dann fĂĽr die Größeren – und zwar schon seit GrĂĽndung der Schule. Mit der EinfĂĽhrung eines verpflichtenden Sozialpraktikums fĂĽr die Stufe 11 vor zehn Jahren hat die Gemeinschaftsschule Marpingen ein Zeichen fĂĽr mehr Sozialverantwortung gesetzt. Enge Kooperationen bestehen in der Sekundarstufe 1 mit dem Collège im lothringischen Rohrbach und in der Sekundarstufe 2 mit dem LycĂ©e SchurĂ© de Barr im Elsass. Regelmäßige Aktionen in und um die Schule kommen auch den beiden Partnereinrichtungen, dem Institut Ndoluma im der demokratischen Republik Kongo und dem Casa do Zezinho im brasilianischen  SĂŁo Paolo zugute. Mit der Teilnahme an Aufforstungsaktionen als MaĂźnahme gegen den Klimawandel setzt man in der Schule ein Zeichen fĂĽr die globale Verantwortung.

In 30 Jahren ist viel passiert, und das vielfältige Engagement der Marpinger Schule zeigt, dass man hier gut vorbereitet ist, auch kĂĽnftige Herausforderungen im Sinne der neuen Generation und unser aller Zukunft zu meistern.