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Wandertag der 9a ins Konzentrationslager Natzweiler

Am 1. Juni 2018 sind wir am Wandertag mit Hr. Rehlinger und Fr. Rosar in das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler-Struthof gefahren. Wir trafen uns morgens zu Unterrichtsbeginn um 07:30 Uhr im Klassensaal. Es herrschte schon von Anfang an eine aufgeregte, aber auch eine etwas bedrückende Stimmung. Um 07:50 Uhr kam der Referent Werner Hillen an. Dieser Informierte uns noch einmal darüber, wie wir uns im KZ zu verhalten hätten.
Um 08:05 Uhr ging es dann auch schon los. Wir wurden mit einem Bus abgeholt und fuhren etwa 2 ½ h, mit einer kleinen Pause, nach Natzweiler. Während der Busfahrt erzählte uns Herr Hillen vieles über das Konzentrationslager, auch stellte er uns viele Fragen die wir, dank der guten Vorbereitung von Frau Rosar, alle gut beantworten konnten.
Zuerst besuchten wir noch den Bahnhof an dem die Häftlinge, nach meist tagelanger Fahrt in geschlossenen Viehwaggons, ankamen. Wir waren alle geschockt als wir erfuhren, unter welchen Bedingungen die Häftlinge, alleine schon auf der Hinfahrt leben mussten. Bei dieser Zugfahrt starben schon sehr viele, da sehr schlechte Bedingungen (Hygiene, fehlende Nahrung) herrschten. Die restlichen Überlebenden mussten dann noch einen mehreren Kilometer langen, steilen Berg hinauflaufen. Dabei wurden sie von Hunden und Soldaten angetrieben, die bereit waren auf sie zu schießen.
Nach dem Besuch am Bahnhof waren es mit dem Bus noch etwa 10 Minuten bis zum Konzentrationslager. Dort angekommen war die Stimmung sehr bedrückt, da uns erst dort klar wurde, wie schlimm diese Zeit gewesen sein muss. Von 10.45 - 14.30 Uhr hatten wir dann unseren Aufenthalt im eigentlichen Lager. Herr Hillen machte mit uns eine Führung über das gesamte Gelände. Er erzählte viel und beantwortete uns auch viele Fragen. Wir erfuhren auch, dass das Konzentrationslager Natzweiler ein Arbeitslager (also Tod durch Arbeit) war. Die Häftlinge wurden mit harter und ökonomisch sinnloser Arbeit in einem nahegelegenen Steinbruch und dem Bau eines unterirdischen Gewölbes gequält. Es wurden insbesondere sog. „NN-Häftlinge“ (NN = Menschen, die die SS in „Nacht-und-Nebel-Aktionen einfach verschwinden ließ) eingeliefert. Die Menschen die in diesem KZ „leben“ mussten, erfuhren die schlechteste Behandlung und sie hatten die höchste Zahl an Todesopfern zu beklagen. Auch diente das KZ Natzweiler als Hinrichtungsstätte. Die Gestapo ließ dort Widerstandskämpfer und Deserteure erschießen oder erhängen.
Bei unserem Rundgang besuchten wir die Küche, in der die Häftlinge Steckrübensuppe, Kohlsuppe oder Sägemehlsuppe bekamen, dazu kleine Mengen Wasser oder Ersatzkaffee. Viele der Häftlinge starben auch an Nährstoffmangel, da die Nahrung dort sehr viel Wasser aber nur sehr wenig Fleisch, Obst oder Gemüse enthielt. Viele der Leichen wurden im Krematorium verbrannt, dieses besuchten wir ebenfalls. Unter diesem, befand sich ein großer Keller, der als Lagerraum für die Toten benutzt wurde. Neben dem Krematorium befanden sich die Zellen, in denen die Häftlinge eingesperrt wurden. Wir (28 Personen!) hatten sogar die Gelegenheit eine der ca. 4 Quadratmeter großen Zellen zu besichtigen, es war sehr eng und die Gefangenen waren damals mit 40 Leuten in einer Zelle eingesperrt. Auch gab es noch kleinere Zellen, die ursprünglich eigentlich für eine Heizung gedacht waren. In diese passten gerade einmal 3 Schüler aus der Klasse hinein. Sie konnten weder aufrecht stehen noch normal sitzen, was damals zu starken Krämpfen und auch bis zum Tod geführt hat.
In diesem Gebäude befanden sich auch schreckliche Folterinstrumente, unter denen die Häftlinge oft stundenlang leiden mussten.
Wie in vielen anderen Konzentrationslagern wurde auch in Natzweiler Menschenversuche durchgeführt. Insbesondere Prof. Haagen, Prof. Birkenau und Prof. Hirth quälten viele der Häftlinge mit Versuchen, Impfstoffe gegen Flecktyphus und giftige Kampfgase zu entwickeln. Die Häftlinge, an denen Versuche durchgeführt wurden, starben unter höllischen Qualen.
Am Ende unseres Rundgangs besuchten wir noch ein kleines Museum, indem Originalkleidung, -betten, und -briefe aufbewahrt werden. Hier konnte man sich noch einmal die damalige Situation vor Augen führen. Danach fuhren wir noch einmal 10 Minuten zur Gaskammer, in der unter anderem 86 Juden aus Auschwitz ermordet wurden. Die Gaskammer in Natzweiler diente im Besonderen zum Töten der Juden, um sie anschließend noch auf Auffälligkeiten an ihren Skeletten zu untersuchen. Auch an diesem Ort hatten wir alle ein sehr mulmiges Gefühl, da es schlimm zu sehen war, zu was Menschen fähig sind.
Um 15 Uhr ging es mit dem Bus wieder zurück zur Schule. Auf der Rückfahrt unterhielten sich viele Schüler noch einmal mit den Lehrern und Herrn Hillen und stellten nochmal Fragen zum KZ. Nach diesem anstrengenden, spannenden aber auch traurigen Tag, kamen wir um 17 Uhr wieder am Leibniz-Gymnasium an.
Von Hannah Schwartz (Klasse 9a)