Sie sind hier: Startseite > Startseite > 

Startseite

Aktuelles

Von Kokosnüssen und Pfirsichen

Was genau bedeutet es eigentlich, wenn ein amerikanischer Kollege, den ich gerade erst kennen gelernt habe, mir anbietet, ihn mit dem Vornamen anzusprechen? Sind wir dann schon Freunde? Was für ein Bild von „den Deutschen“ haben die Amerikaner überhaupt? Und wie sehen wir „die Amerikaner“? Diese und viele andere Fragen beantwortete ein Vortrag von Dr Bruno von Lutz, dem Leiter des Deutsch-Amerikanischen Instituts Saarland, den er kürzlich vor Oberstufenschülern des Leibniz-Gymnasiums hielt. Der Vortrag mit dem nicht ganz ernst gemeinten Titel „You can say you to me“ beschäftigte sich mit einigen kulturellen und verhaltensmäßigen Besonderheiten, insbesondere Großbritanniens und der USA, und den Unterschieden zu Deutschland. Diese Informationen sind für alle Schülerinnen und Schüler interessant, die entweder im Urlaub, nach ihrem Schulabschluss, in Studium oder Beruf eine Zeit im Ausland,  respektive den USA, verbringen möchten. Entsprechend interessiert hörten die Schülerinnen und Schüler zu und sie waren bemüht, die Fragen zu beantworten, die Dr von Lutz zwischen seinen Ausführungen stellte. Durch den Vergleich von „Kokosnuss“ mit „Pfirsich“ machte er den unterschiedlichen Stellenwert von Privatsphäre in beiden Kulturen deutlich. In diesem Bild sind die Deutschen wie eine „Kokosnuss“, deren dicke Außenwand für den Wert steht, den wir auf unsere Privatsphäre legen. Bei den Amerikanern, die er mit einem Pfirsich mit relativ dünner Außenhaut verglich, werden viele Dinge nicht als so privat betrachtet wie in Deutschland.

Dr. von Lutz  wies auch darauf hin, dass in Amerika  Kritik oft sehr höflich verpackt wird. Ein Vorschlag, den ein amerikanischer Geschäftspartner z.B. als nicht akzeptabel  sieht, wird zuerst einmal grundsätzlich gelobt: „Das ist eine gute Idee, aber …“ Ein direktes „Nein, das geht nicht“ wird also als eher unhöflich betrachtet.

Aber auch historische und politische  Gegebenheiten sowie das Selbstverständnis der Amerikaner wurden angesprochen. Bei der Frage nach dem Waffenbesitz von Privatpersonen wies Dr von Lutz z.B. auf die amerikanische Verfassung (zweiter Zusatzartikel) hin, die es dem Staat ausdrücklich verbietet, das Recht auf Waffenbesitz einzuschränken.

Interessant auch die Erläuterungen zum Anteil der Farbigen an der Bevölkerung in Amerika. Auf dem Hintergrund der derzeitigen Bevölkerungsentwicklung werden weiße Amerikaner unter 18 Jahren im Jahr 2020 schon in der Minderheit sein, im Hinblick auf alle Altersgruppen werden die Farbigen bis 2045 in Amerika die Mehrheit bilden. Sicher eine bedenkenswerte Entwicklung, wenn wir als Europäer Präsident Trumps Einwanderungspolitik kritisieren möchten.

Und schließlich spielt auch die Kenntnis landesspezifischer Gesten eine Rolle in interkulturellen Begegnungen, etwa das Kreuzen der Finger statt des Daumendrückens oder das Zählen mit oder ohne Daumen.

Schmunzeln durften die Schülerinnen und Schüler dann wieder bei den Video-Clips, die Dr. von Lutz ebenfalls präsentierte. Darin ging es auch um stereotype Vorstellungen, die man im Ausland oft von uns Deutschen hat -  positive Vorstellungen: wir bauen hervorragende Autos – und auch ein paar negative:  wir blockieren im Urlaub immer mit Handtüchern die Liegestühle am Pool. Dagegen stellt das extrovertierte und für Deutsche eher übertriebene, sogar verrückte Verhalten auf Werbe- oder Wahlveranstaltungen für Amerikaner eine akzeptable Art der Kontaktaufnahme zum Publikum dar. Die Bandbreite an kulturell akzeptierten Verhaltensweisen ist in Amerika entsprechend größer als in Deutschland.

Insgesamt ein sehr lohnender Workshop mit etlichen Aha-Erlebnissen für die Schülerinnen und Schüler.

 

Hier geht es zum Opens internal link in current windowArchiv für "Aktuelles".